An die Schnelleren M30 im Land :-) B9, B10, B11, H6, H6s.... (BMW-E24-Forum)
7. Der Prüfstand simuliert eine Last in Form eines Widerstands der auf die Rolle wirkt, der Prüfstand "bremst" künstlich, so ähnlich wie eine Bergauffahrt. Je höher die notwendige Last zum Halten des Betriebspunkts (=einer bestimmten Drehzahl), desto höher die abgegebene Radleistung in Form eines Drehmoments (Drehzahl ergibt sich ja aus Rolle bzw. Motordrehzahl). So fährt der Prüfstand mit zunehmender Drehzahl immer die Betriebspunkte ab und zeichnet das abgegebene Motormoment auf. Mechanische Leistung ist das Produkt aus Drehmoment und Drehzahl oder Formel: Pmech= 2Pi*M*N.
Jetzt wird nochmals klar, warum das Ermitteln des Drehmoments so komplex und zentral ist.
8. Bei Vollgas wird ausgekuppelt und jetzt misst der Prüfstand das Ausrollen der Rolle, Räder und sonstigen Komponenten des Antriebsstrangs wie Antriebswellen, Differential, Kardan etc.
Hier wird es nun spannend, denn unser Antriebsmotor hat ja beim Hochlaufen auf der Rolle nicht nur die Radleistung abgegeben, sondern dabei auch die sog. Schleppleistung aufgebracht, damit sich das Rad überhaupt dreht. Sprich all die Reibestellen zwischen Kurbelwelle und Prüfstand.
Bildlich kann man sich das so vorstellen wie auf einem Fahrrad: bei festen Bremsen muss man trettln wie ein Ochse um überhaupt von der Stelle zu kommen und statt gemütlich auszurollen kommt man nach wenigen Metern zum stehen. Sprich die Bewegungsenergie wird in Reibung= Wärme gewandelt.
Zurück zu Punkt 8: Das Ausrollen kann man nun manipulieren, z.B. durch Betätigen der Handbremse. Dann kommt die Rolle schneller zum stehen und das Messprogramm denkt sich:
Boar: hohe Schleppleistung = hohe Verluste UND trotzdem am Rad Leistung XY = Radleistung+ Schleppleistung = Motorleistung
Cool, der Motor muss ja richtig potent sein. Soweit mal die Theorie.
In der Praxis jedoch hat man auch auf einem Prüfstand dynamische Achslasten, sprich das Fahrzeug wird vorne leichter und bei unseren Hinterradgetriebenen BMWs die Hinterachse stärker belastet. Dies führt zu mehr Walkarbeit ("Verformungsarbeit des Reifens") deshalb werden diese ja auch warm auf der Autobahn und viel Kurvenheizen")
Dh. die Bindestelle Rad/Rolle ist immer eine zentrale Messunsicherheit, ebenso das Verhalten des Automatikgetriebes beim Wegnehmen der Last. Manche Automaten gehen in ein Segelmodus und plötzlich wird ein Teil des Getriebes ausgekuppelt, welcher beim Hochlaufen ja ebenfalls mitbeschleunigt werden musste und somit "Reibung" verursachte. Das kann dazu führen, dass die Schleppleistung steigt oder fällt. Erfahrene Prüfstandsleute wissen anhand der Schleppleistungskurve direkt, ob absichtlich gebremst wurde (oder auch Bremsen fest sind).
Vom Prinzip ändert sich ja erstmal nix. Niedrige Radleistung und hohe Schleppleistung ergeben immer dieselbe rechnerisch ermittelte Motorleistung. Doch uns als Fahrer interessiert ja nur die Radleistung, da diese die Fortbewegung des Fahrzeugs ermöglicht. Mehr Leistung am Rad ermöglicht natürlich mehr Beschleunigung, mehr Höchstgeschwindigkeit, sprich mehr Leistung, die für die Überwindung der 4 Fahrwiderstände, namentlich Roll-, Steigungs, Luft- und Beschleunigungswiderstand aufgewendet werden können.
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