@ Sascha - Dämmatten und Teerpappe ist raus. (BMW-E24-Forum)
Als Antwort auf: Re: Dämmatten und Teerpappe ist raus. von sascha am 28. April 2003 16:44:30:
Hallo Sascha,
den ganzen Aufstand, meine äusserlich völlig intakte Kiste zu zerlegen mache doch nur um an dem Auto nicht schweißen zu müssen. Dabei verbrennt man die Schichten und durch die Erwärmung verändert sich das Materialgefüge oder man bekommt etc....und dann hast Du Dir eine Rostlaube gebaut.
Ich will auf das Thema nicht so eingehen, nur am Rande sei erwähnt das sich meine Diplomarbeit bei Ford mit der Beschichtung und Korrosion von Autoblechen beschäftigte. Ich weiss warum ich nicht schweisse. Ich schleife auch keinen Rost weg somdern löse ihn mit Posphorsäure auf.
Neben meinem uralten Mittel - eine Art seifiger Lösung mit geschätzen 25 - 30 % Phosphorsaüre, Haushaltswatte, chemieresitente Handschuhe und einer Spritze und Kanülen ( Fixerbesteck
) benetze ich die Stellen - auch Spalte - z.T. mehrere Tage bis kein Rost mehr zu sehen ist. Jüngst habe ich vom Korrosionschutzdepot die Paste "Cream-Ex" in Gebrauch. Die lässt sich wie Niveacreme auf die Stellen auftragen. 1-2x am Tag nachstreichen und je nach Rostschichtdicke kann es schon ein paar Tage dauern. Damit behandelst Du aber nur partiell die Roststellen und phosphatierst sie sogar wieder ohne, wie beim Schleifen üblich, meist noch grössere Randbereiche zu versauen.
Auf den Boden sieht man morgen Abend keinen Rost mehr, denn horizontale Flächen lassen sich wunderbar bearbeiten. Danach aber gut mit Wasser spülen und am besten mit einer Chromatlösung neutralisieren. Die ist aber im Handel schwer zu bekommen.
Ich habe gerade sämtliche Haltebleche und diverse Anbauteile in der Verzinkerei. und werde demnächst auch den Achsträger vorne und den grossen Achs-Holm hinten verzinken lassen. Das entspannt den Korrosionsdruck der Karosse auch wieder etwas. Ich weiss, ich höre schon die Proteste.
Die Substanz des Wagens ist wesentlich besser als ich angenommen habe. Eine fingerlnagelgrosse Durchrostung habe ich an dem Trennblech hinter den Blinker und zum Kotflügel gefunden. Die Säure hat sie freigelegt. Der Wagen war überraschenderweise werksseitig mit viel Dinol behandelt worden und ist später mal stellenweise mit Mike-Sanders-Fett nachbehandelt worden. Dem jenigen meinem herzlichen Dank.
Den Unterboden habe ich jetzt komplett frei, bis auf das Getriebe, aber in dem Tunnelbereich rostet sowieso nichts. Dann gibt es Mike-Sanders-Fett innen satt, die Lokari-Innenkotflügel rein, die ich aber noch etwas verbessern werde und dann könnte man ihn auch durch Salz bewegen. Aber dafür ist er mir zu schade.
Einen 6er mit Highline-Ausstattung und bis auf Standheizung und Anhängerkupplung (dei Dinge brauche ich auch nicht) mit einem etwas vornehmen hanseatischen Historie sollte man mit dem entsprechenden Respekt behandeln.
Wenn ich mir der Kiste fertig bin - hoffentlich noch vor dem Treffen in Filderstadt - dann habe ich ein erst mal lange Ruhe, wie bei meinem alten M535.
Die Bodendeckel werde ich nur durch Bleche - zur Not lasse ich sie fertigen - die von oben in die runde Mulde passen ersetzt werden. Wenn man von unten und von oben die Deckel mit Mike-Sanders-Fettband lagenweise abklebt dann sind die dicht. Das hatte ich schon im vorigen Jahr gemacht. Und als ich die Deckel herausgedreht habe lief kein Tropfen Spiritus durch.
Zum Thema TÜV. Die grossen Deckel können auch aus Plastik sein. die habe keinerlei tragende Funktion. Sie sind lediglich im Wagenboden, damit die Flüssigkeiten der Vorbehandlungs und der KTL-Lack schnell abfliessen kann. Sonst würden die Förderanlagen tonneschwer belastet.
Ich hoffe, ich habe Dir und anderen einen kleinen Einblick in die Materie "industrielle Karosseriebeschichtung" geben können. Ein sehr komplexes Gebiet, teilweise der Alchemie noch nahe. An dieser Stelle meinen Gruss an den 5er-Rainer.
Schöne Grüsse,
Erwin