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Korrosionschutz, meine Langzeiterfahrung Teil 1v2 (BMW-E24-Forum)

erwin, Barcelona, (vor 2043 Tagen)

Hallo 6er-Freunde,

ich wollte 2017 - als ich meine Diva von Barcelona nach Deutschland brachte - eigentlich ja nur zum TÜV, der seit 9 Jahren überfällig war und sie asap. wieder zurückbringen.
Soweit der Plan.

Dann fing ein Freund bei AHC in Kerpen bei Köln in leitender Position an und als wir uns trafen um einen Projekt-Vertrag für mich zu besprechen (ich arbeite dann 2018 dort) und wir so quatschten was die so alles machen (alle Arten von metallischen Oberflächenbehandlungen), fragte ich ihn, ob sie mir eine paar Metallteile aus dem Motorraum neu galvanisch verzinken könnten.
Nach 2 Wochen lange die Teile dann vor mir, wow.....besser als neu, da nicht verzinkt (gebondert) sondern chemisch vernickelt. Eine ganz andere Welt.
Ich fragte, ob sie mir noch mehr Teile so beschichten könnte und so baute ich alles, aber ratzeputz alle abschraubbaren Teile im Motorraum aus und so begann das Drama, das nun in einer neunen Nockenwelle sein vorläufiges Ende findet so hoffe ich, da mir die Kolben nicht so gefallen. Aber dazu poste ich hier separat etwas.

Da der Motorraum nun mal frei vor mir lag, wie eine Jungfrau, wollte ich eigentlich nur "obenrum was machen".
2003, als mir klar wurde, dass ich bei der Diva einen Griff wie ein blindes Huhn nach dem Korn getan hatte (laut Holger Lübben ist sie eine der beiden luxuriösesten 6ern der gesamten Bauzeit) war auch klar, dass ich sie nach 2 Jahren nicht- wie geplant- wieder verkaufen würde und ich nahm die Karosse auseinander und arbeitete jeder Roststelle/stellchen nach (gestrahlt, Phosphorsäuren 3-5 Tage einwirken lassen, passiviert, mit einer Mischung aus Spiritus und Wasser mit einer Druckpistole und dann nur mit Spiritus abgesprüht und gewaschen, dann Zinkchromat drauf, gefüllert und bei- oder neulackiert.

Danach habe ich die Frontpartie hinter dem Kühlergrill und die beiden Böden (Batterie und Scheibenwaschanlage) mit Mike-Sanders-Fett eingesprüht, mit dem ich Jahre zuvor schon meinem M535 behandelt hatte.
Das Fett hat einen sehr gute Korrosionsschutzwirkung und kann ich nur empfehlen (Time-max Produkte sollen noch besser sein, kenne ich aber aus eigener Erfahrung nicht).

Das Fahrzeug war aber schon vor meiner Zeit mit Dinol/ Dinitrol Metallic behandelt worden. Zwar etwas lieblos und an manchen Stellen wo es nicht notwendig war und anderen wo es notwendig gewesen wäre. Aber es war schon mal was drauf und daher die Karosse insgesamt in einen "guten Zustand", heisst ohne Durchrostungen.

Das Mike-Sanders Fett hat aber einen Nachteil, den wohl auch die Time-Max-Produkte haben: aller Dreck und Staub bleibt daran haften und beim Schrauben sind gleich die Finger schwarz und fettig. Wie Mike Sanders sagt: Besser ein Fettfleck, als ein Rostfleck.

Aber in Barcelona ist Klima doch etwas karosseriefreundlicher und ich wollte den Schmattes weghaben. Leichter gesagt als getan. Ich hatte auch teilweise die harte Mischung verwendet und da ist Parafin drin und das war zäh wie Leder. Mit Verdünnung, Silikonentferner und Bremsenreiniger war dem kaum beizukommen und so wusch ich Tage um Tage und das Ergebnis war immer noch nicht gut.

Mist dachte ich, da muss es doch was geben? Strahlen wollte ich nicht und nachher wieder den Staub überall, der dann beim Lackieren wieder aus einer übersehenen Ecke herausfliegt und die ganze Lackierung versaut, wie schon 2003 erlebt.
Und dann machte es bling: CO2-Strahlen.
Baukompressor, Strahlgerät und CO2 in Bonn gemietet und „unter herum“ gestern den ganzen Tag gestrahlt. Gestern Abend hätte ich der Jungfrau einen Negerkuss geben können, so schwarz war mein Gesicht. ;-)

Dabei kamen interessante Ding an die Oberfläche.

Mike Sanders Fett (normele Mischung) ist ein guter Korrosionsschutz, bleibt immer weich, auch nach 18 Jahren noch, aber man ist immer dreckig. Er lässt sich leicht mit CO2-Strahlen entfernen.

Mike Sanders Fett (harteMischung) ist ein guter Korrosionsschutz, der teilweise eintrocknet und dann fest auf der Oberfläche haftet und sie auch weiterhin schützt.
Er lässt sich nur sehr, sehr mühsam mit CO2-Strahlen entfernen.

Das Dinol ist, nach min. 20 Jahren immer noch sehr elastisch, ist weder ausgetrocknet und an seiner Oberfläche bleibt nichts haften. Das Zeug haftete immer noch sehr gut an und ließ sich nur cm² für cm² entfernen. Unter dem Dinol war alles topp.

Dann habe ich an alten Reparatustellen Lackhaftungstest mit dem CO2-Strahler gemacht., indem ich vom normalen Strahlabstand von 10 - 15 cm auf 2-4 cm veringert habe.
Ich wollte wissen, wie gut das Zinkchromat auf dem Blech und die Lackierung auf dem Zinkchromat haftet.

An manchen Stellen löste sich weder der Lack, an manchen Stellen löste sich nach sehr langer Bestrahlung der Lack langsam ab, aber das Zinkchromat blieb haften.

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Korrosionschutz, meine Langzeiterfahrung Teil 2v2

erwin, Barcelona, (vor 2043 Tagen) @ erwin

An manchen neunen Stellen löste sich Lack an Ecken und Kanten von wenigen mm Durchmesser bis zur Größe eines Fingernagels.
Diese Stellen werden jetzt wieder einer Phosphorsäure/Zinkchromat-Kur unterzogen.
Erstaunt war ich über die gute Haftung und Dauerelastizität von Dinal.
Anschließend werde ich die vielen Ecken und Winkel hinter dem Kühlergrill mit dem Pinsel partial mit heißen FluidFilm behandeln und nach ein bis zwei Wochen heißes Dinol/Dinitrol Metallic auftragen, was an der Karosse verarbeitet war.

Mike-Sanders-Fett bringe ich nur noch in Hohlräumen und Holmen ein und im vorderen und hinteren Bereich der vorderen Kotflügel. Dort ist es aber das erste Produkt meiner Wahl.
Die Time-Max-Fette solle ja noch einen Tick besser sein.

Fluidfilm habe ich vor 18 Jahren auch heiß in alle Hohlräume gesprüht und eine Probe im Schrank stehen. Es kriecht hervorragend in alle Ritzen und Spalte und ich habe es auch auf den originalen Unterbodenschutzgesprüht und zw. die Dichtungen der Front und Heckscheibe oben mit einer Spritze und einem Plastikröhrchen eingespritzt, bis es unten in der Ecke wieder herauslief. Die Gummidichtung quillt für ein paar Tage etwas auf und legt sich dann wieder an. Fluidfilm verdrängt aber Wasser und so steht in den Scheibenecken kein Wasser und es kann nichts gammeln.

Fluidfilm ist erhitzt dünn wie Petroleum und geliert nach ca. 3-4 Tagen aus. Nach etwa 10 Jahren wurden erste Risse in meiner Probe sichtbar und es trocknet aus. Also nach ca. 8 Jahren die Prozedur wiederholen.

Mein Empfehlung für Hohlräume und nicht versteckte Bereiche, wie auch Falzen:
Zuerst Fluidfilm sehr heiss einsprühen, es dringt in alle Ritzen und Spalte (auch im alten Unterbodenschutz) und abtropfen lassen. Nach ein paar Wochen mit Mike-Sanders/Time-Max Fetten nachsprühen. Bei Mike-Sanders nehme ich dort die normale oder die weiche Mischung, die weicher ist und im Sommer wieder leicht schmilzt und sich wieder verteilt.


Gruss,

Erwin

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Korrosionschutz, meine Langzeiterfahrung Teil 2v2

Klassiko, (vor 2041 Tagen) @ erwin

Sehr ntressanter Bericht. Mein Auto wird im Winter auch gestrahlt und der Unterboden neu Versiegelt.

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Korrosionschutz, meine Langzeiterfahrung Teil 2v2

erwin, Barcelona, (vor 2041 Tagen) @ Klassiko

Kallo Klassiko,

willst Du den Unterbodenschutz komplett abstrahlen?

Wenn ja, rate ich Dir davon ab. Reinige ihn und prüfe ob es Roststellen unter dem Unterbodenschutz gibt. Achte besonders auf die Löcher im Boden, mit dem Deckel und Bajonettverschluss. Diese Öffnungen sind anfällig für Spaltkorrosion.

Diese Löcher im Boden stammen aus der Produktion und dienten dem Ablauf der wässerigen Lösungen beim Tauchen der Karosserie bei der Vorbehandlung (Entfetten, Phosphatieren, KTL-Beschichtung) und habe danach keinerlei Funktion mehr.

Der Deckel im Kofferraum über dem Tankgeber passt genau in diese Mulden.

Wenn Du den Unterboden gereinigt und geprüft hast, sprühe ihn mit heissem Fluidfilm aus der Druckbecherpistole ein. Mache das nach 3-6 Tagen nochmal.

Wenn möglich in praller Sonne und heisser Karosse auftragen. Das Oel zieht in alle Ritzen und Spalte, verdrängt Wasser und geliert nach ein paar Tachen/Wochen wie Marmelade aus.

Anschliessend wische den öberfächigen Fluidfilm ab und spritze heisse Dinol/Dinitrol metallic auf den originalen Unterbodenschutz. Fluidfilm weicht den wieder etwas an und Du behälst den gut haftenden originalen Unterbodenschutz.

Ich hatte mir 2003 vier Deckel vom Tankgeber Stück gesorgt, feuerverzinken lassen, mit Metallkleber eingeklebt und noch mit 3 oder 4 Popnieten gesichert.
Die Deckel mit Bajonett habe ich nicht mehr drin.
Anschliessen den ganzen Innenboden mit Mike-Sanders-Fett (normale Mischung) ausgesprüht und mit dem Heissluftfön nochmal aller erwärmt, damit sich zw. Fett und Blech keine Luftblasen bilden konnten.

Danach habe ich vorher zugeschnittene Vlies in dem heissen Fett getaucht und heiss in den Innenboden eingelegt (dicke Lederhandschuhe anziehen) und mit der Hand mehrmals an dem Boden angestriechen, um das Vlies in alle Ecken und Mulden gut einzuarbeiten.

Darüber habe ich zwei Lagen heisses Unterbodenschutzwachs innen mit der Druckpistole aufgetragen, damit das Fett nicht durchkommt.
Darüber dann die Dämmmatten und den Teppich.

Ich war deshalb so gründlich, da bei dem Auto durch die Gummimuffe vom Lüfterkasten über dem Handschuhfach Wasser unter die Dämmmatte gelangt war und Korossion eingestzt hatte.
Es war noch oberflächlich und mit Phosphorsäure konnte ich alles gut entfernen.

Nach dieser Beschichtung könnte nun Wasser 10cm hoch im Fahrzeug stehen und würde nicht bis zum Boden vordringen.

das ist zwar ein schöne Sauerei, aber die Karosse wird es Dir danken.

Gruss,

Erwin

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Korrosionschutz, meine Langzeiterfahrung Teil 2v2

uli, Bad Oeynhausen, (vor 2041 Tagen) @ erwin

Ich habe meinen Eisstrahlen lassen. Wird alles wunderbar sauber, alle losen Teile platzen ab. Damit machst du nichts kaputt.

--
Gruß Uli

635CSI, silbermet, Bj 01.79, 5Gang Sport

640iX A GT

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